Words & Pictures

USA 2013; 115 Min.; Regie: Fred Schepisi; Darsteller: Clive Owen, Juliette Binoche, Valerie Tian, Bruce Davison

Der Film im Internet: www.wordsandpictures.senator.de



Es ist schwer, an die Spitze zu kommen, aber sehr leicht, wieder abzustürzen. Diese Erfahrung musste auch der Schriftsteller Jack machen, der als Englischlehrer an einer renommierten Schule in New England arbeitet. Er hat seit Jahren nichts mehr geschrieben, geschweige denn veröffentlicht, und steht vor dem Rausschmiss: Heimlich säuft er schon tagsüber und sorgt mit zynischen Sprüchen und schwerintellektuellem Gehabe für miese Stimmung im Kollegium. Dina wird sofort zur willkommenen Zielscheibe für den verkrachten Künstler. Sie ist neu an der Schule und unterrichtet Bildende Kunst. Auch sie ist in einer Schaffenskrise und verheimlicht das ihrer Umgebung, ähnlich wie Jack, sie gibt sich cool und unnahbar und hält mit kratzbürstigem Charme dagegen, wenn Jack sie provoziert. Sobald sich Dina und Jack begegnen, geraten sie aneinander: ein Paar wie Nitro und Glyzerin. Als die beiden dann auch noch mit Unterstützung der Schüler ihre Privatfehde „Wörter gegen Bilder“ zum Schulprojekt machen, wird schnell klar, dass es hier nicht nur um Sieg oder Niederlage geht, sondern auch um den inneren Kampf zweier Künstlerseelen, die magisch voneinander angezogen werden.

Der Film ist ein kleines Wunder – geistreich und witzig – über ein ernsthaftes Thema. Im Kern geht es um zwei Menschen, die auf der Suche nach ihrer Kreativität sich selbst zu retten versuchen. Wie der depressive Zyniker und die taffe Malerin verbal aufeinander losgehen, ist einfach toll. Die Dialoge wirken wie maßgeschneidert, sie sind oft boshaft, ironisch oder einfach komisch, aber stets ganz fein geschliffen. Jede Gemeinheit kommt passgenau, das Timing stimmt. Clive Owen und Juliette Binoche zeigen sich als ebenbürtige Partner: Juliette Binoche ist toll als schlagfertige Kratzbürste, aber sie kann auch anders. Sie spielt die Dina als verletzliche Frau, die sich nur nach außen stark gibt. Dadurch wirkt sie noch sympathischer. Als Malerin wagt sich Dina an großformatige Bilder, als Mensch ist sie eher für die leisen Töne zu haben. Sie gönnt sich höchstens mal ein kesses, kleines Lächeln, wenn sie gegen Jack eine der zahlreichen Verbalschlachten gewonnen hat. Ganz anders Clive Owen: Sein Jack ist ein echter Kerl, wie er im Buche steht, laut und geradeaus, ein Intellektueller, der seine Depressionen im Suff ertränkt und im betrunkenen Zustand gelegentlich komplett ausrastet. Erst durch Dina merkt er, dass er nur noch vor sich hinvegetiert. Sie kommt im richtigen Moment, als er dabei ist, sich durch seine Sauferei alles zu ruinieren. Die Schwingungen zwischen ihnen sind deutlich zu spüren. Jack zeigt sehr deutlich, wie sehr er von Dina fasziniert ist, während Dina die spröde, kühle Lady gibt.
 
Jeder für sich betrachtet sind die beiden schon großartig, aber gemeinsam sind sie unwiderstehlich. Regisseur Fred Schepisi (unter anderem „Wilde Kreaturen“, „Roxanne“) lässt seinen Stars angemessenen Freiraum, sie zeigen in vielen Details und kleinen Gesten, wie sicher sie die Klaviatur der Gefühle beherrschen. Der hochkomische Schlagabtausch zwischen ihnen ist ein intelligentes Vergnügen auf hohem Niveau. Dazu ist der Film in einer Schule angesiedelt, was viele Möglichkeiten für kleine Geschichten am Wegesrand liefert: Man sieht lustlose, unmotivierte Schüler, und ein Hauch „Club der toten Dichter“ weht durch die Klassenzimmer, wenn Dina und Jack der Bande Feuer unterm Hintern machen. Da gibt es Intrigen im Lehrkörper, einen verständnisvollen und ziemlich geduldigen Direktor – sehr gut: David Negahban – und die klug eingewebte Nebenhandlung um eine begabte Schülerin. Auch hier zeigt sich das Geschick, mit dem der Drehbuchautor und Produzent Gerald Di Pego sprühenden Witz mit einem ernsthaften Hintergrund beinahe beiläufig zu einer rundum stimmigen Geschichte verbindet. Der wortgewaltige Mann gegen die feinfühlige Bilderstürmerin, das ist nicht nur ein witziger Kampf der Geschlechter, sondern auch der Künstler gegeneinander und vielleicht auch … miteinander?
 
Alle Daumen hoch und alle Sterne ausgepackt für ein unglaublich kurzweiliges, hochgradig vergnügliches Filmerlebnis!

Quelle: Gaby Sikorski, www.programmkino.de

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