Von Menschen und Pferden

Island 2013; 81 Min.; Regie: Benedikt Erlingsson; Darsteller: Ingvar E. Sigurðsson, Charlotte Bøving, Steinn Ármann Magnússon, Helgi Björnsson, Kristbjörg Kjeld, Sigríður María Egilsdóttir;

Der Film im Internet: www.vonmenschenundpferden-derfilm.de



 

Die Landschaft Islands bietet nicht nur wunderschöne Bilder aus der ursprünglichen, kargen Natur, sondern auch den idealen Hintergrund für die Lieblingshobbys der Isländer: ihre Pferde und die gegenseitige Beobachtung. Das Klappern von Ponyhufen gehört zu ihrem Leben wie die Ausrichtung der Ferngläser zum Zweck der gegenseitigen Ausforschung. Und es gibt viel zu sehen auf dem Lande, wo sonst nichts los ist! Da reitet ein reicher Farmer auf seiner Lieblingsstute zu seiner Angebeteten, oder ein Trinker muss unbedingt zu einem russischen Schiff schwimmen, auf dem es den allerbesten Wodka geben soll. Ein Tourist gerät mit seinem Pferd vom Wege ab und verirrt sich in der kalten Nacht, eine Frau will ihren Nachbarn zeigen, dass sie mit Pferden genauso gut umgehen kann wie die Männer … Alle diese kleinen Geschichten spielen in einer dünn besiedelten Gegend am Meer, wo der ständige Wind und ein raues Klima das Leben der Bevölkerung bestimmen. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die mit Pferden leben oder mit ihrer Hilfe überleben. Manchmal richten sie sich allerdings auch selbst zugrunde. Zusätzlich zu ihren anderen liebenswerten Eigenschaften scheinen die Isländer auch über einen tiefschwarzen Humor zu verfügen, denn es gibt in den hübsch ausgedachten Mensch-Pferd-Geschichten oft einen ironischen Blick auf das Leben der Inselbewohner, deren Handlungen hin und wieder einen, gelinde gesagt, ungünstigen Verlauf nehmen und die deshalb schon mal auf dem Friedhof enden.


Jede einzelne Episode beginnt mit dem Blick in ein Pferdeauge, in dem sich das Menschenleben widerspiegelt. Was würden die Tiere wohl von diesen merkwürdigen Zweibeinern halten, wenn sie denken könnten? Von Gier und Eifersucht sind die Menschenwesen erfüllt, aber auch, zumindest gelegentlich, von Liebe, Sehnsucht und Mitleid. Davon und von den Überraschungen, die das Leben bietet, handeln die Geschichten. Die Pferde werden dabei keineswegs vermenschlicht, sie dürfen Tiere bleiben – so animalisch und wild, wie es ihnen als zugerittenen Ponys möglich ist. Das macht den Film sympathisch, denn man spürt durchgängig die Liebe und den Respekt vor den Tieren, deren Schönheit man selbstverständlich ausführlich bewundern kann. Der Mensch scheint auch hier eher ein Störfaktor in der Natur zu sein, der den normalen Lauf der Dinge durch seine Dämlichkeit aufhält.
 
Benedikt Erlingssons Kinodebüt wurde vielfach preisgekrönt. Kein Wunder, denn er findet wunderbar klare Bilder, die oft sehr eindringlich, manchmal schockierend schön oder sogar ein bisschen grausam wirken. Dazu weht eine wunderschöne Musik durch die Bilder, die Schauspieler inklusive der Ponys sind bestens aufgelegt und haben offensichtlichen Spaß an der Sache. Erlingssons bärbeißiger Humor passt sehr gut zu dem liebevoll boshaften Blick auf seine Landsleute und auf seine Heimat – ein offenbar in Natur und Umgangston ziemlich raues Land, das nicht nur der Pferde wegen einen Kinoabend, sondern auch sonst einen Besuch lohnt. Natürlich nur mit Fernglas!

Quelle: Gaby Sikorski, www.programmkino.de
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