Only lovers left alive

USA 2013; 123 Min; Regie: Jim Jarmusch; mit Tom Hiddleston, Tilda Swinton, Mia Wasikowska, John Hurt, Anton Yelchin, Jeffrey Wright, Slimane Dazi, Carter Logan; FSK ab 12 Jahren

Der Film im Internet: www.only-lovers.pandorafilm.de


Als ihm sein Kontakt zur Außenwelt mal wieder ein Prachtstück von Gitarre anschleppt, kommt der Underground-Musiker Adam (Tom Hiddleston) über alte Zeiten ins Schwärmen. „Ich habe Eddie Cochran spielen sehen“, sagt er und merkt gerade noch, dass er sein Geheimnis ewigen Lebens (Cochran starb 1960) damit fast verraten hätte. Dem bereits irritiert dreinschauenden Hippieburschen (Anton Yelchin) schiebt er deshalb schnell noch ein „... auf You-Tube“ hinterher. Uff. Situation gerettet.

Ganz glücklich fühlt sich Adam in seiner Behausung im heruntergekommenen Detroit aber trotzdem nicht. Seit die Menschen (die hier Zombies genannt werden) sich nicht mehr richtig ernähren und die Erde nach diversen Umweltkatastrophen sich selbst überlassen, fehlt es auch den Vampiren an genießbarem Lebenssaft. Nur unter erschwerten Bedingungen gelangen sie an Blutkonserven aus dem Krankenhaus. Ironie der Geschichte: bei Jarmusch können Vampire sogar an einer Blutvergiftung sterben. Weil Adam all dies schrecklich deprimiert, denkt er darüber nach, sich eine tödliche Pistolenkugel aus einem ganz besonderen Holz anfertigen zu lassen. 

Im marokkanischen Tanger ist Adams Lebensgefährtin Eve (Tilda Swinton) zwar eine Gelassenheit in Person, über den Seelenzustand ihres Gefährten aber dennoch zutiefst beunruhigt. Deshalb fliegt sie nach Detroit, wo unverhofft auch Eves Schwester Ava (Mia Wasikowska) in Adams verdunkelter Musikerwohnung auftaucht und mit quasi jugendlicher Zappeligkeit und einer unbändigen Lust auf Partylife für Unmut, Aufregung und einen der raren Bisse in diesem düster-romantischen Film sorgt.

Jim Jarmuschs verletzliche Vampire stehen als Metaphern für den derzeitigen Zustand menschlichen Daseins und sind in Bezug auf ihre Bildung und, allem Pessimismus zum Trotz, ihre teils noblen Umgangsformen auch unter ihresgleichen ganz gewiss besondere Raritäten. Wenn sich das von einer coolen Rockstar-Aura umgebene Paar unterhält, wird man ihres reichen kulturgeschichtlichen Wissens gewahr, gewissermaßen auch ihres Einmischens in die Geschichte, denn, wie Adam einmal erwähnt, war er es, der die durch Franz Schubert bekannt gewordenen Kompositionen einst schrieb. Enge Vertraute der beiden sind auch der Wissenschaftler Tesla und der britische Dramatiker Christopher Marlowe (gespielt von John Hurt), der zu seiner Zeit u.a. den Faust-Stoff bearbeitet hat (worauf Jarmusch auch Bezug nimmt) und ein Zeitgenosse William Shakespeare war.

Für die Stimmung dieses in lässigem Tempo erzählten Films ist die Musik ganz wichtig. Der aus den Niederlanden stammende Jozef van Wissem hat für seinen aus betörend melancholischen Gitarrensounds bestehenden Score in Cannes im Frühjahr 2013 bereits den Preis für die beste Filmmusik erhalten. Immer wieder erinnern seine Stücke an Kompositionen der US-amerikanischen Drone-Doom-Band „Earth“. Beim Ortswechsel nach Tanger dürfen auch Klänge aus dem Norden Marokkos nicht fehlen. 

Erzählt ist diese Geschichte mit der für Jarmusch typischen Langsamkeit und einem Gespür für besondere Bildkompositionen, etwa der Überblendung einer sich auf dem Plattenteller drehenden Single mit einem Blick in den Sternenhimmel, bzw. von oben herab in die an ein Musikstudio erinnernde Wohnwelt Adams. Gefahren wird in schicken alten Autos, die Nachtfahrten wecken Erinnerungen an Jarmuschs „Mystery Train“ ebenso wie natürlich auch an „Night on Earth“. Zwischendurch blitzt herrlich trockener und lakonischer Humor auf, etwa wenn Tilda Swinton nach einer „brenzligen“ Situation „Blut am Stiel“ als Beruhigungsmittel anbietet. Keine Frage: in Gesellschaft dieser Vampire fühlt man sich wohl.

Quelle: Thomas Volkmann www.programmkino.de

 

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