Die kanadische Reise

Behutsam erzählte Geschichte um einen Mann, der nach Quebec aufbricht, um die Familie seines unbekannten Vaters kennenzulernen

F 2016; 98 Min.; Regie: Philippe Liore; mit Pierre Deladonchamps, Gabriel Arcand; ab 6 J.

„Eine so subtile Erzählung wie in diesem Film, eine Art narrativer Pointillismus, in dem viele, auf den ersten Blick ordinäre Alltagsszenen zusammen etwas thematisch Komplexeres ergeben, kann nur funktionieren, wenn die Schauspieler eine vielschichtige Arbeit liefern – und das ist hier auf jeden Fall so.” The Hollywood Reporter

„Behutsam erzählt und mit Tiefen, die am Anfang gar nicht so deutlich zu erkennen waren. Ein wunderschöner Film!” Variety

In der Hinterlassenschaft der Eltern bemisst sich der Wert der Dinge plötzlich nach anderen Kriterien. Ein einfaches Stethoskop kann mit einem Mal kostbarer sein als ein teures Gemälde. Philippe Liorets Film kreist um diese zwei Objekte; insgeheim auch noch um ein drittes, die Mütze eines Verschollenen, die ebenfalls zu einem Vermächtnis wird, das bedeutsam zirkuliert. „Die kanadische Reise” erzählt von einer Vatersuche, die in eine gleich mehrfache Identitätsfindung mündet. Der Pariser Angestellte Mathieu (Pierre Deladonchamps) erhält eines Tages eine rätselhafte Nachricht aus Montreal. Ein Unbekannter will ihm ein Paket schicken. Als Mathieu nachfragt, erfährt er, dass sein leiblicher Vater in wenigen Tagen beerdigt wird. Aus einer inneren Dringlichkeit heraus, die ihn vielleicht selbst überrascht, entschließt er sich, nach Kanada zu fliegen... Lioret und seine Koautorin Nathalie Carter flechten in wenigen Handlungstagen ein dichtes Netz zugeneigter Verantwortung. Aus einer Krise entsteht eine ungekannte, noch fragile Geborgenheit, die nach Fortdauer verlangt. Lioret gelingt – dank der eigenen erzählerischen Diskretion und seiner einnehmenden Hauptdarsteller – eine Gratwanderung: Er erkundet komplizierte Familienbeziehungen nach den Regeln eines Thrillers, der den Zuschauer erst allmählich in seine Mysterien einweiht. Ein heikler Pakt des Vertrauens wird zwischen Publikum und Film geschlossen. Der emotionale Suspense löst sich in der Beredsamkeit des Ungesagten auf. Zwei Blicke in die Rückspiegel eines Autos genügen Lioret, um uns zu einfühlenden Mitwissern werden zu lassen.

Quelle: epd-Film

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