Am Ende ein Fest

Israel/ Deutschland 2014; 93 Min.; Regie: Sharon Maymon und Tal Granit; mit Zeev Revah, Levana Finkelstein, Alisa Rozen, Ilan Dar, Rafael Tabor u. a.; FSK ab 12 J.

Der Film im Internet: www.am-ende-ein-fest.de



„Kann ich Gott sprechen?“ – „Er ist gerade auf der Toilette!“. Dieser Dialog zum Auftakt gibt den Ton dieser Komödie vor. Mit einem selbstgebastelten Stimmverzerrer ausgestattet, hat der 72-jährige Tüftler Yehezkel bei einer Mitbewohnerin im Altenheim angerufen, sich als Gott ausgegeben, um der verunsicherten alten Dame damit etwas Mut zuzusprechen. Dass die begeisterte Seniorin anschließend für einen weiteren Plausch mit Gott spontan auf die Rückruftaste drückt, kann der mittlerweile abwesende Yehezkel ja nicht ahnen. Dem findigen Bastler stehen demnächst ohnehin ganz andere Herausforderungen bevor. Sein bester Freund Max liegt sterbenskrank in der Klinik. Dessen verzweifelte Gattin möchte den unheilbar Kranken im Endstadium von seinen Qualen endlich erlösen. „Ich bin Arzt, kein Henker!“ verweigert ein Mediziner die aktive Sterbehilfe. Ein Mord aus Mitleid verbietet sich aus moralischen Gründen. So kommt der Erfinder schließlich auf die Idee, eine Suizid-Maschine zu basteln, mit der die Sterbepatienten ihrem Leiden selbst ein Ende setzen können, indem sie sich per Knopfdruck eine tödliche Dosis von Narkosemittel verabreichen. Unterstützer finden sich im Altenheim: Ein pensionierter Tierarzt besorgt die notwendigen Medikamente, derweil der ehemalige Polizist mögliche Tatort-Spuren beseitigt. Ein perfekter Plan für ein selbstgewähltes Sterben in Würde - doch Levana, die Ehefrau des Erfinders, plagen zunächst große Skrupel. In deren Abwesenheit kann die entschlossene Rentnertruppe ihrem Freund seinen letzten Wunsch erfüllen. Damit fangen die Probleme allerdings erst richtig an. Bereits auf der Beerdigung melden sich neue Interessenten, die ebenfalls die Suizid-Maschine verwenden wollen. Noch dramatischer gerät die Lage, als die anfänglich leichte Demenz von Levana unaufhaltsam schlimmer wird. Nun steht auch das alte Ehepaar vor einer gravierenden Entscheidung.

Sterbehilfe, Demenz und Suizid sind gewiss keine leichten Themen. Wie man dem gesellschaftlich und persönlich gerne verdrängten Tabu mit Komik begegnet, hat Til Schweiger mit „Honig im Kopf“ erfolgreich vorgeführt. Diesen Weg geht nun auch die israelische Regie-Duo Sharon Maymon und Tal Granit. Den heiter lakonischen Ton des Anfangs mit dem fingierten Telefonanruf von Gott hält die Tragikomödie bis zum Ende durch und setzt dem Entsetzen erfolgreich entspannende Situationskomik entgegen, die bisweilen schwarzhumorig ausfällt, gleichwohl stets angenehm unaufdringlich bleibt. Dass ihr Mann unheilbar an Lungenkrebs erkrankt ist, erzählt die Ehefrau bei einer Zigarette den gleichfalls qualmenden Zuhörern. Dem unbekleideten Auftritt der verwirrten Demenz-Patientin im Speisesaal begegnen ihre Freunde damit, indem sie später gleichfalls alle ihre Kleidung ablegen und der mittlerweile wieder klaren Senioren durch gemeinsames Lachen ihre Scham nehmen. Besonders apart fällt jene Szene aus, in der engagiert über Sterbehilfe diskutiert wird – bis plötzlich das überraschende Coming-Out zweier Senioren für amüsante Abwechslung sorgt.   
 
Die Balance zwischen Tragik und Komik funktioniert zum einen deshalb so gut, weil die Zeichnung der unterschiedlichen Figuren sehr präzise ausfällt, ohne sie je zur Karikatur verkommen zu lassen oder der Lächerlichkeit preiszugeben. Zum anderen besteht das Ensemble aus hochkarätigen Darstellern, die in ihrer Heimat preisgekrönte Stars sind. Souveräne Mimen wie diese machen selbst aus denkbar schwerster Kost fast automatisch ein Vergnügen.  
 
Zu Sterbehilfe und dem Recht auf einen selbstbestimmten Tod hat jeder seine ganz persönliche Meinung – diese gekonnt sensible Komödie erweist sich als ebenso vergnügliche wie nachdenkliche und unaufdringliche Einladung, die eigene Haltung zu überdenken. Mehr kann man von intelligenter Unterhaltung im Kino kaum erwarten.  

Quellen: Dieter Oßwald, www.programmkino.de
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