5 Zimmer Küche Sarg

Neuseeland 2013; 86 Min.; egie, Buch: Jemaine Clement, Taika Waititi; Darsteller: Taika Waititi, Jonathan Brugh, Jemaine Clement, Cori Gonzalez-Macur, Stuart Rutherford, Ben Fransham; FSK ab 12 J.

Der Film im Internet: www.5ZimmerKuecheSarg.weltkino.de/



Der ausnahmsweise sehr treffende deutsche Titel lässt es ahnen: „5 Zimmer Küche Sarg“ imaginiert im Stil einer Dokumentation wie es aussieht, wenn Vampire sich eine Wohngemeinschaft teilen. Diese ebenso einfache wie geniale Idee hatten die Neuseeländer Jemaine Clement und Taika Waititi und machen daraus einen hochkomischen Film über die alltäglichen Nöte von Blutsaugern.

Es gehört schon Einiges dazu, dem Genre des Vampirfilms noch etwas Neues abzuringen, doch Jemaine Clement und Taika Waititi ist es tatsächlich gelungen. „5 Zimmer, Küche, Sarg“ arbeitet geschickt mit den bekannten Legenden und popkulturellen Mythen über Blutsauger und andere dämonische Wesen und lässt nur ganz selten das Gefühl aufkommen, sich bei filmischen Vorgängern den einen oder anderen Gag „entliehen“ zu haben.

Das innovative Element dieser Vampiregeschichte ist der dokumentarische Rahmen, innerhalb dessen sich der Film als realer Einblick in das Leben neuseeländischer Untoter ausgibt. Die Gestaltungsmittel – Handkamera, Interviewsequenzen und sogar als solche explizit ausgewiesene „nachgestellte Szenen“ – fügen sich nahtlos in das Konzept, ohne jedoch tatsächlich Authentizität zu entwickeln. „5 Zimmer, Küche, Sarg“ ist eine Komödie und steht dazu. Dass die Effekte zuweilen trashig wirken oder perfekt platzierte Kameraschwenks aufwendigere Gestaltungsmittel ersetzen, verleiht dem Gesamtwerk in diesem Kontext besonderen Charme. Der Zuschauer soll hier nicht getäuscht, sondern unterhalten werden.

Und das gelingt! Jemaine Clement und Taika Waititi, die als Vladislav und Viago auch in Hauptrollen vor der Kamera stehen, erzählen die Geschichte einer Männer-WG, die sich - von kleinen Konflikten des alltäglichen Lebens wie Abwasch und Putzplänen einmal abgesehen - seit Jahrhunderten durch ein freundschaftliches und friedliches Miteinander auszeichnet. Doch nachdem der 8.000 jährige Petyr (Ben Fransham) überraschend das gemeinsame Abendbrot in einen Vampir verwandelt, ist es mit der Ruhe vorbei. Denn Neuankömmling Nick (Cori Gonzalez-Macuer) ruft mit seinem losen Mundwerk Vampirjäger und Werwölfe auf den Plan.

Jemaine Clement und Taika Waititi verlieren ihr dokumentarisches Konzept auch in den absurdesten Momenten nicht aus den Augen und können so den Witz der Grundidee bis zum Ende aufrechterhalten. Doch es ist nicht nur die ungewöhnliche Form, die hier Humor produziert. Die beiden Regisseure brechen auch mit der von „Twilight“ genährten Vorstellung makellos hübscher, intelligenter und stets überlegener Vampire. Viago, Vladislav, Deacon und Petyr sind vier von der Gesellschaft weitgehend isolierte Junggesellen, oder - um es kurz zu sagen – Nerds. In ihrer sozialen Inkompatibilität absolut liebenswert, wachsen die Helden dem Zuschauer trotz ihres Ernährungsplans schnell ans Herz.

Von literweise Kunstblut einmal abgesehen bleibt „5 Zimmer, Küche, Sarg“ bei all dem überraschend brav. Ein wenig derb dürfen die Vampire wohl sein, aber schockieren oder erschrecken sollen sie ganz offensichtlich niemanden. Clement und Waititi verzichten auf gruselige Horrorelemente und wenn es einmal brutaler zugeht, bricht der Humor das bedrohliche Moment auf ein komödiantisches herunter. So bleibt „5 Zimmer, Küche, Sarg“ durchgehend ein leichter Unterhaltungsfilm für ein breites Publikum.

Innerhalb des dokumentarischen Rahmens arbeiten die Filmemacher mit einer sehr funktionalen Spielfilmdramaturgie. Auf die Vorstellung der Figuren und ihres Settings folgt der Wendepunkt, der in Nicks Transformation besteht und kleinere und größere Katastrophen nach sich zieht. Der eingangs angekündigte Vampirball etabliert nebenher einen zweiten Spannungsbogen, der durch die Ankündigung, Vladislav werde dort auf seinen Erzfeind „The Beast“ treffen, gen Ende noch einmal kräftig anzieht. So können Clement und Waititi ihrem Publikum deutlich mehr bieten als nur eine Aneinanderreihung kleiner Vampirgags. Eine Mockumentary ist das allerdings nicht. Der dokumentarische Charakter des Films ist viel zu offensichtlich nur eine stilistische Hülle. Im Kern ist „5 Zimmer, Küche, Sarg“ stattdessen eindeutig eine Vampir-Komödie. Und zwar die beste seit Langem.

Quelle: Sophie Charlotte Rieger, www.programmkino.de

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